Vergleich der Spender:innen in der Teilstudie „Tests, Symptome und Lebenssituation“ mit anderen Referenz-Studien

Einleitung

In diesem Beitrag werden wir euch einen weiteren Einblick zu soziodemographischen Merkmalen und zur gesundheitlichen Lage der Datenspender:innen in der Teilstudie „Tests, Symptome und Lebenssituation“ (im Folgenden „Teilstudie“ genannt) geben. Wir vergleichen diesmal den Bildungsstand, die subjektiv eingeschätzte Gesundheit und die Inanspruchnahme von allgemeinärztlichen Leistungen der Teilnehmenden an der Teilstudie mit Referenzdaten. Dadurch kommen wir dem Ziel, die Stichprobenzusammensetzung der Datenspender:innen genauer zu beschreiben einen weiteren Schritt näher. Die Zusammensetzung der Stichprobe der Datenspender:innen in der Teilstudie basiert nicht auf einer zufälligen Auswahl, die Nutzenden haben sich selbst bei der Datenspende App registriert, ohne zuvor per Zufallsstichprobe dafür ausgewählt worden zu sein. Dadurch sind Unterschiede zwischen den Datenspender:innen und der Allgemeinbevölkerung zu erwarten, weshalb wir in diesem Beitrag weiter untersuchen möchten wie stark diese Unterschiede hinsichtlich der genannten Indikatoren sind.

Warum vergleichen wir die Datenspender:innen in der Teilstudie mit Referenzdaten? Was hat das mit Covid-19 zu tun?

Der Vergleich gibt uns Auskunft darüber, ob sich die Ergebnisse des Fragenbogens oder des Fieber-Monitorings auf die Bevölkerung verallgemeinern lassen. Oder anders formuliert, ob sich ggf. die Effekte die wir im Fiebermonitor erfassen weniger stark oder stärker in der Allgemeinbevölkerung zeigen würden.

Bildungsstand

Um den Bildungsstand der Teilnehmenden an der Teilstudie zu bewerten, wählen wir als Referenz den Mikrozensus 2017 (Quelle: FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, DOI: 10.21242/12211.2017.00.00.1.1.1, eigene Berechnungen). Dazu klassifizieren wir den Bildungs- und den Berufsabschluss zunächst nach den Standards von ISCED11 in drei Kategorien (niedrige, mittlere, hohe Bildung). Beim Bildungsvergleich zwischen der Stichprobe der Teilstudie und dem Mikrozensus sind allgemein große Unterschiede in allen drei Bildungsgruppen zu erkennen. Wie aus anderen Surveys (d.h. Befragungsstudie der Allgemeinbevölkerung) bekannt, sehen wir auch hier, dass Teilnehmende mit niedriger Bildung im Vergleich zum Mikrozensus stark unterrepräsentiert sind. Das bedeutet, dass weniger Menschen mit niedriger Bildung an der Teilstudie teilgenommen haben, als es in der Allgemeinbevölkerung gibt. Auch aus der Gruppe derjenigen mit einer mittleren Bildung haben weniger Menschen an der Teilstudie teilgenommen, als gemäß Mikrozensus zu erwarten gewesen wären. Demgegenüber haben deutlich mehr Menschen mit einer hohen Bildung an der Teilstudie teilgenommen als es anteilig in der Allgemeinbevölkerung gibt.

Betrachten wir die Bildungsverteilung differenziert nach Geschlecht und Altersgruppen sehen wir ähnliche Ergebnisse. Bei den Frauen zeigen sich stärkere Unterschiede als bei den Männern. Außerdem nimmt der Unterschied mit zunehmendem Alter zu.

Limitation: Die Verteilung vom Mikrozensus 2017 bezieht sich auf die Bevölkerung ab 18 Jahren. Die Datenspender:innen können dagegen ab 16 Jahren teilnehmen. In der Altersgruppe der 16 bis 18 Jährigen ist die Schulausbildung bei einem großen Anteil noch nicht abgeschlossen. Dieser Anteil wurde der niedrigen Bildungskategorie zugeordnet. Der Anteil der niedrigen Bildungskategorie wäre somit eigentlich noch größer, wenn die Verteilung ab 16 Jahre in der Bevölkerung betrachtet werden würde. Leider liegt uns diese Verteilung nicht vor. 16 (0.08 %) Datenspender:innen haben keine Angaben zum Schul- und Berufsabschluss gemacht von insgesamt 20.924 Teilnehmenden an dem Fragenbogen „Lebenssituation“ (Datenstand: 20.12.2021).

Abbildung 1: Bildungsverteilung der Datenspender:innen der Teilstudie mit dem Mikrozensus 2017

Subjektiver Gesundheitszustand/Allgemeiner Gesundheitszustand

Für die Bewertung des subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustands der Teilnehmenden an der Teilstudie verwenden wir zum Vergleich die aktuelle bevölkerungsrepräsentative Gesundheitsbefragung GEDA 2019/2020-EHIS des Robert Koch-Instituts als Referenz . Im Vergleich zu den Teilnehmenden an GEDA 2019/2020-EHIS bewerten die Teilnehmenden der Teilstudie ihren subjektiven Gesundheitszustand häufiger als sehr gut oder gut und seltener als mittelmäßig, schlecht oder sehr schlecht. Diese Beobachtung zeigt sich auch bei der differenzierten Betrachtung nach Geschlecht, wobei hier der Unterschied bei den Frauen stärker ausgeprägt ist als bei den Männern.

Betrachten wir den subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustand nach Altersgruppen getrennt, so zeigt sich ein etwas anderes Bild. Teilnehmende an der Teilstudie im Alter von 16 bis 29 Jahren geben seltener als Teilnehmende an GEDA 2019/2020-EHIS einen sehr guten selbst eingeschätzten Gesundheitszustand an. Demgegenüber geben sie häufiger einen mittelmäßig eingeschätzten Gesundheitszustand an als diejenigen Teilnehmenden an GEDA 2019/2020-EHIS.

Anteilig geben Teilnehmende der Teilstudie im Alter von 16 bis 29 Jahre auch etwas häufiger einen als sehr schlecht bewerteten subjektiven Gesundheitszustand an als Teilnehmende an GEDA 2019/2020-EHIS, wobei diese Anteile in beiden Studien jedoch sehr gering sind. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen wird die Nennung eines mittelmäßigen, schlechten oder sehr schlechten subjektiven Gesundheitszustandes unter den Teilnehmenden der Teilstudie wesentlich seltener angegeben als in GEDA 2019/2020-EHIS. 171 (0.82 %) Datenspender:innen haben keine Angaben zum subjektiven Gesundheitszustandes gemacht von insgesamt 20.924 Teilnehmenden an dem Fragenbogen „Lebenssituation“ (Datenstand: 20.12.2021).

Abbildung 2: Verteilung des subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustands der Datenspender:innen der Teilstudie mit GEDA 2019/2020-EHIS

Inanspruchnahme allgemeinärztlicher Leistung

Hinsichtlich der Inanspruchnahme von Allgemein- oder Hausarzt:ärztinnen wird deutlich, dass Teilnehmende an der Teilstudie diese:n seltener innerhalb der letzten 12 Monate, dafür aber häufiger vor 12 Monaten oder länger aufgesucht haben als Teilnehmende an GEDA 2019/2020-EHIS. Auch der Anteil derjenigen ohne eine allgemein- oder hausärztliche Inanspruchnahme ist in der Stichprobe der Teilstudie etwas höher.

Differenziert nach Geschlecht lässt sich der Unterschied unter denjenigen, die eine:n Allgemein- oder Hausarzt:ärztin innerhalb der letzten 12 Monate aufgesucht haben, vor allem bei den Frauen beobachten: Teilnehmerinnen an der Teilstudie haben diese:n seltener innerhalb der letzten 12 Monate in Anspruch genommen als Teilnehmerinnen an GEDA 2019/2020-EHIS. Dagegen hat ein größerer Anteil der Teilnehmerinnen der Teilstudie im Vergleich zu GEDA 2019/2020-EHIS vor 12 Monaten oder mehr zuletzt eine:n Allgemein- oder Hausarzt:ärztin besucht oder hat diese:n noch nie in Anspruch genommen. Bei Männern ließ sich kein deutlicher Unterschied zwischen der Teilstudie und GEDA 2019/2020-EHIS erkennen.

Differenziert nach Altersgruppen waren vor allem Teilnehmende der Altersgruppe 16 bis 29 Jahre der Teilstudie seltener in den vergangenen 12 Monaten bei Allgemein- oder Hausärzt:innen als die Teilnehmenden an GEDA 2019/2020-EHIS derselben Altersgruppe. Auch berichten vor allem Teilstudien-Teilnehmende dieser Altersgruppe, noch nie eine allgemein- oder hausärztliche Praxis aufgesucht zu haben. Demgegenüber haben Teilnehmende ab 60 Jahren in beiden Studien eine:n Allgemein- oder Hausarzt:ärztin anteilig etwa gleich häufig in den vergangenen 12 Monaten aufgesucht. Auch die Anteile der ab 60-Jährigen, die eine:n Allgemein- oder Hausarzt:ärztin vor 12 Monaten oder mehr in Anspruch genommen haben, sind in beiden Studien etwa gleich hoch. 208 (0.99 %) Datenspender:innen haben keine Angaben zum letzten Besuch beim Allgemein- oder Hausarzt gemacht von insgesamt 20.924 Teilnehmenden an dem Fragenbogen „Lebenssituation“ (Datenstand: 20.12.2021).

Abbildung 3: Verteilung der Inanspruchnahme allgemeinärztlicher Leistungen der Datenspender:innen der Teilstudie mit GEDA 2019/2020-EHIS

Fazit

Die Bereitschaft Daten für die Wissenschaft zu spenden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir haben die drei Merkmale, die Bildung, den subjektiven Gesundheitszustand und die Inanspruchnahme medizinischer Grundversorgung untersucht. Wir sehen, dass die Stichprobenstruktur der Datenspender:innen von der Bevölkerung abweicht, insbesondere bei der Bildung. Wie sich die Selektion der Stichprobe auf die Interpretation der Ergebnisse des Fieber-Monitorings auswirkt, wird weiterhin untersucht.

Ausblick oder was erwartet euch im nächsten Post?

Im nächsten Blogbeitrag geht es um die Bewertung weiterer Indikatoren des Gesundheitszustands und Gesundheitsverhaltens.

Johannes Lemcke
Robert Koch Institute
Daniel Grams
Robert Koch Institute
Ilter Öztürk
Robert Koch Institute
Ronny Kuhnert
Robert Koch Institute